Ostsee-Zeitung, Artikel vom 29.03.2001
Betriebsausstattung von Neusa kam unter den Hammer
Die Auflösung des Bauunternehmens Neusa in Ribnitz-Damgarten nimmt ihren Lauf. Gestern wurde die Betriebs- und Geschäftsausstattung versteigert.
Ribnitz-Damgarten (OZ) Der Wind weht der Baubranche scharf ins Gesicht. Am gestrigen Morgen war das zu spüren,
ganz real zu spüren. Nicht nur das Wetter war kalt. Auch die Stimmung an der Sanitzer Straße auf dem Betriebshof
der Neusa Bauunternehmen GmbH. Der Versteigerungstermin war früh angesetzt worden. Seit 8 Uhr kamen die
Interessenten, um zu sehen, was sie noch brauchen konnten aus der Betriebsausstattung des in Insolvenz
geratenen Betriebes. „Die haben einfach so die Wagen abgestellt“, befand dann einer der potenziellen Käufer,
„da liegen noch die Zigaretten drin.“ Es kam eben für die rund 100 Beschäftigten des Unternehmens
ziemlich überraschend, dass man die Arbeit einstellte. Nun wurden die Werkzeuge und die Maschinen,
die Mannschaftstransporter und die Lastwagen an die Käufer gebracht – und mit der Ausstattung
gingen dann auch nun endgültig die Arbeitsplätze aus dem Betriebstor. Das macht eine düstere Stimmung
– weniger für die Käufer, die ein Schnäppchen suchen, als vielmehr für die ehemaligen Beschäftigten,
die sich im Sportpalast unter die Interessenten gemischt haben. Dort wird sonst getanzt. Doch diesmal
ist eine stille Veranstaltung angesagt. Auktionator Bert Wigger weiß wenige Minuten vor dem Beginn
der Versteigerung noch nicht, was sie einbringen wird. Er verweist auf ein Heft, in dem alle Positionen
der Geschäfts- und Betriebsausstattung aufgeführt sind. Und da ist alles akribisch aufgelistet.
Erst in den Abendstunden wird klar, dass sich die Erwartung erfüllt, 20 Positionen sind nicht verkauft,
davon zehn auch wohl nicht verkäuflich, sagt Wigger. Ein Ansturm auf Mobiliar und Maschinen allerdings ist nicht
ausgebrochen. Erfahrene Besucher von Versteigerungen wissen: „So wie das aussieht, geht hier alles zum
Schleuderpreis weg.“ Und manches geht eben gar nicht weg. Der Auktionator versteigert zum Teil en bloc
und da gibt es dann tatsächlich die Schnäppchen. Jedenfalls für den, der sie brauchen kann, die 20 Paar
gelbe Gummistiefel.
Insolvenzverwalter Nils Eggers wollte gestern auch noch einmal bei der Versteigerung vorbeischauen.
Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens rechnete er für Anfang April. MICHAEL SCHISSLER