Nordkurier vom 28.08.2006
Von Petra Konermann
Röbel. Für das Haus Fritz-Reuter-Straße Nr. 10 hatte sich Dina Marquardt aus
Röbel nach einer Besichtigung entschieden. Das Haus, gebaut um 1900, wollte sie gerne besitzen.
Doch würde sie es auch für die im Auktionskatalog ausgeschriebenen 8 000 Euro bekommen? Wie hoch
würde sich in einem möglichen Bieterkampf der Preis steigern? Dina Marquardt hatte Glück, mit
dem sie selbst nach eigenen Aussagen so gar nicht gerechnet hatte. Da sie die Einzige war, die
sich für dieses Gebäude interessierte, erhielt sie von Auktionator Bert Wigger gleich bei
besagten 8000 Euro den Zuschlag. "Ich freue mich sehr. Das war ganz schön aufregend, weil man
ja nie weiß, ob noch jemand mitbietet. So musste ich gar nicht an die Obergrenze gehen, die ich
mir selbst gesetzt hatte", meinte Dina Marquardt im Nachhinein.
Aufregend war die Versteigerung nicht nur für sie, sondern auch für die vielen Schaulustigen,
die sich diese Auktion nicht entgehen lassen wollten. Doch dass es überhaupt noch spannend wurde,
damit hatten die meisten Zuschauer wohl nicht mehr gerechnet, nachdem bereits 15 Häuser aufgerufen
und vier von ihnen recht unspektakulär neue Besitzer fanden.
Erst das allerletzte der angebotenen Objekte, den meisten Röbelern als ehemaliges Ordnungs- und
Standesamt in der Wiesenstraße bekannt, sorgte für echtes Auktionsfeeling. Denn gleich zwei Bieter
hatten mit der alten Stadtvilla aus dem Jahre 1912 geliebäugelt. In Sekundenschnelle sprang der Preis
von 40 000 auf 50 000 Euro, bis endlich bei 56 000 Euro Bernd Gerlich aus Krakow am See den Zuschlag
erhielt. „Da ging der Puls schon höher. Ich bin glücklich, es ist ein schönes Haus“, meinte der
Unternehmer, der in seinem Heimatort eine Zimmervermittlung betreibt und in dem neu erworbenen Haus
in Röbel Ferienwohnungen bauen möchte. „Es ist ideal gelegen, zentral zur Stadt und nur ein paar Meter
von der Therme entfernt“, meinte der neue Besitzer. Um das Objekt zu bekommen, hatte Bernd Gerlich sich
während des Bietens von der selbst gesteckten Obergrenze verabschiedet. „Ich musste es nicht unbedingt
haben, aber ich wollte es eben sehr gerne haben“, meinte der Krakower dazu.
Schon zur nächsten Saison möchte Bernd Gerlich hier die ersten Ferienwohnungen fertig haben und
vermieten. "Und dann bekommt das Haus auch einen neuen Namen", sagte der Besitzer, Freude strahlend
über den Neuerwerb.
Zufrieden mit den "Verkaufszahlen" zeigte sich auch Röbels Bürgermeister Heiner Müller (SPD),
der aus Neugier zur Auktion gekommen war. "Zum Teil seit der Wende versuchen wir ja, diese Häuser
zu verkaufen. Da hatte ich mir eigentlich keine großen Illusionen heute gemacht. Aber dass wir ein
Drittel der angebotenen Häuser verkaufen konnten, ist meiner Meinung nach ein schöner Erfolg.
Wichtig ist dabei, dass es demnächst an diesen Häusern vorwärts gehen wird. Das ist gut für
unsere Stadt", meinte er. Und auch bei den anderen Häusern, die während der Auktion keine
Käufer fanden, sei noch nicht das letzte Wort gesprochen. Es habe, so Müller, schon Andeutungen
gegeben, dass es wohl doch Interessenten gibt. Denn wie auch Auktionator Bert Wigger von der Wigger Auktionen
GmbH erklärte, könne die Stadt diese Häuser erneut zum Verkauf ausschreiben. "Es entspricht
auch unseren Erfahrungen, dass, wenn durch solche Auktionen erst einmal Bewegung in den Markt gekommen ist,
im Nachgang noch Verkäufe abgeschlossen werden.
Das Interesse der Leute ist geweckt, selbst wenn sie vielleicht heute nicht mitgeboten haben", bestätigte
Andreas Konen, Mitarbeiter der Wigger GmbH.
Heide-Marie Gutschmidt konnte sich an diesem Tag auch freuen, obwohl die Röbelerin gar nicht vor hatte,
ein Haus zu ersteigern. Sie kam lediglich als Zuschauerin. "Das interessiert mich einfach", meinte sie.
Vor allem freue sie sich über jeden Fortschritt in Röbel, über "jedes Haus, das wieder schön
gemacht wird. Das nützt doch uns allen", meinte sie mit Überzeugung.