Norddeutsche Rundschau vom 21.11.2009
Von Lars Peter Ehrich
Grün ist die Farbe der Hoffnung. Aber nicht für die Firma Inefa in der Zusestraße. Dort zeigen grüne Aufkleber mit Katalognummern, die am Inventar von den Maschinen bis zum Bürostuhl hängen: Die Stunde des endgültigen Abschieds ist gekommen. Heute werden die Gegenstände versteigert.
Im Januar 2008 hatte die "Inefa Neue Kunststoffe GmbH" Insolvenz angemeldet. Mit neuen
Gesellschaftern unter dem Namen "Fenster + Türen Inefa GmbH" sollte es weitergehen.
Doch auch sie ging vor knapp zwei Monaten in die Insolvenz.
Die neuen Gesellschafter hätten das Gebäude an der Zusestraße kaufen wollen,
schildert der bisherige Inefa-Geschäftsführer Helmut Knieps (60). "So gut wie einig"
seien sie sich mit dem Eigentümer gewesen, dann habe sich quasi über Nacht der Preis
verdoppelt. Das war das Ende: Zehn Jahre habe er gekämpft, doch irgendwann sei man dazu
nicht mehr bereit, sagt Knieps. "Man muss auch Realist sein." Seine Frau Johanna, bisher
Inefa-Angestellte, hat in Wacken die Firma Sinefa gegründet, die Service und Reparaturen
für Inefa-Türen und -Fenster übernimmt. Die Arbeit wird mit Dienstleistern erledigt,
alte Ersatzteile stehen zur Verfügung.
Vor zehn Jahren hatte Inefa - gegründet 1873 als "Itzehoer Netzfabrik" an der Brunnenstraße - noch 150 Mitarbeiter. Zuletzt waren es 20, die vor acht Tagen ihren letzten Arbeitstag hatten. Gespenstisch ruhig ist es in den großen Hallen, während Interessierte mit Katalogen herumstreifen und die zu versteigernden Gegenstände begutachten. "Traurig, wenn man das so sieht", sagt ein 68-jähriger Itzehoer, der für eine Hausverwaltung auf Werkzeugsuche ist. Er fühlt mit den Betroffenen: "Mein erster Betrieb, wo ich 36 Jahre war, wurde auch versteigert."
Eher emotionslos sieht der Lägerdorfer Kai Johannsen (46) die Situation: "Es lief ja schon lange nicht mehr richtig rund." Auch andere Firmen gingen pleite, pflichtet Hans-Gustav Eggert bei. "Das ist nun mal der Gang", meint der 69-Jährige. "Wieder einer weniger - wo soll das noch enden?", sagt Andrea Eggert (41). Sie suchen nach Ausstattung für ihre Vaaler Baumschule, mit wenig Erfolg: "Es ist doch zu speziell hier", so Andrea Eggert.
Rund 450 Gegenstände kommen heute ab 10 Uhr unter den Hammer, so Bert Wigger (39) vom gleichnamigen Auktionshaus aus der Nähe Schwerins. Eingestiegen werde mit marktkonformen Preisen, unter Wert werde nicht verkauft. Bei den größeren Posten wie zum Beispiel den Maschinen gehe er nicht davon aus, dass etwas übrig bleibe.
Da er nicht aus der Region komme, sei er ohne große Emotionen bei der Sache, erklärt Wigger. Die Auswirkungen für die Region, die Mitarbeiter und ihre Familien habe er im Blick, aber: "Für uns ist es nicht veränderbar. Zu dem Zeitpunkt, an dem wir gerufen werden, ist die Entscheidung in der Regel gefallen." Und dann kommen die grünen Aufkleber.
Ausverkauf in der Produktionshalle: Andrea und Hans-Gustav Eggert studieren den
Versteigerungskatalog. Foto: Ehrich