Parchimer Zeitung, Artikel vom 18.06.2003
Sechs von 13 Immobilien versteigert / Erwartungen der Stadt haben sich erfüllt
Parchim Zum ersten Mal kamen stadteigene Immobilien in Parchim unter den Hammer.
Anlass für diese ungewöhnliche Maßnahme war der jahrelange Leerstand von Häusern in der Altsdtadt.
Die Initiatoren waren am Ende zufrieden: Sechs Häuser bzw. Grundstücke haben nun einen neuen Besitzer.
Nicht alle der rund 60 Zuschauer waren am letzten Sonnabend in den Kleinen Saal der Parchimer
Stadthalle gekommen, um sich ein Haus oder ein Grundstück zuzulegen. Am Ende waren auch die zufrieden,
die eine solche Veranstaltung einfach mal miterleben wollten. "Eine Versteigerung ist schon eine sehr
spannende Sache", meint auch Parchims Bauamtsleiter Günther Wrede. Zusammen mit anderen Mitarbeitern
der Stadtverwaltung war er mit der Hoffnung gekommen, dass sich der Versuch, stadteigene Immobilien
mit einer Auktion an den Mann oder die Frau zu bringen, auch lohnt.
Für die Kleinstadt Parchim war es schließlich eine Premiere. Nachdem man jahrlang vergebens
versucht hatte, für leer stehende Häuser in der Altstadt Investoren zu finden, wurde der öffentlich
bestellte und vereidigte Auktionator Bert Wigger von der gleichnamigen GmbH aus Lützow eingeschaltet.
Die Stadtvertreter hatten das Vorhaben ihrerseits abgesegnet und Mindestgebote für 13 Immobilien
festgelegt (wir berichteten).
Für weitere Auktionen bereits neue Ideen
Nach einer "lebhaften Auktion" stand schließlich fest, dass für sechs der 13 Angebote Interessenten
gefunden wurden. Überwiegend blieb es beim Mindestgebot. Notar Dr. Bernhard Pelke hat im Auftrag
der Stadt gleich im Anschluss entsprechende Verträge mit den neuen Besitzern geschlossen.
Für Immobilien in der Bauhofstraße 15, Auf dem Sannehagen 23 und 29, Am Marstall 9, in der
Neuen Mauerstraße 64, in der Buchholzallee 27 und am Moltkeplatz 4 konnte diesmal noch kein
Interessent gefunden werden. "Nach der Versteigerung gab es aber bereits neue Verhandlungen. Wer sich
für diese Angebote interessiert kann sich weiterhin an der Auktionshaus Wigger in Lützow wenden",
so Amtsleiter Wrede. Im Bauamt ist man darauf vorbereitet, Fördermöglichkeiten, die es für die
Altstadtsanierung gibt, den Bauherren zu erläutern. Die neuen Besitzer haben mit der Ersteigerung
einer Immobilie auch die Verpflichtung zur Sanierung oder Bebauung der Grundstücke übernommen.
In der Stadtverwaltung ist man erleichtert, dass sich der Versuch gelohnt hat. Noch für dieses
Jahr ist eine weitere Auktion angedacht. Dabei könnten weitere der rund 50 derzeit zum Verkauf
stehenden Immobilien der Stadt angeboten werden.
"Es gibt die Idee, auch private Häuser, die dem Verfall preisgegeben sind, auf Wunsch der
Eigentümer in eine solche Auktion mit aufzunehmen. Schließlich geht es darum, die Bausubstanz
in der Altstadt zu retten", meint Wrede.
Das Ziel, mit der ersten Versteigerung städtischer Häuser vor allem junge Familien für das Wohnen
in der Altstadt zu begeistern, blieb allerdings unerfüllt. Dafür will man weiter werben.
Wolfried Pätzold

Für die Stadtvilla am Moltkeplatz 4 konnte noch kein Interessent gefunden werden